Bewerbe

Weltmeisterschaft Kunstturnen

17. bis 25. Oktober 2026 | Rotterdam, Niederlande

WM-Auftakt mit Licht und Schatten

Gino Vetter erlebte am Eröffnungstag der 54. Kunstturn-Weltmeisterschaft in Rotterdam ein Wechselbad der Gefühle. Der 20-jährige Vorarlberger musste zwei Stürze hinnehmen, zeigte an den übrigen vier Geräten jedoch solide Übungen mit teilweise erstmals im Wettkampf präsentierten Elementen. Mit 74.764 Punkten übertraf Österreichs einziger WM-Starter das Mehrkampf-Ergebnis seiner Premiere 2025 in Jakarta um über zwei Punkte und belegte in der sonntagnachmittags abgeschlossenen Qualifikation Rang 64.

Die Kulisse in der stimmungsvollen Rotterdam Ahoy Arena war eines WM-Auftakts jedenfalls würdig. Zeitgleich mit den Topnationen Japan rund um Qualifikations- und Olympiasieger Shinnosuke Oka, den USA und Großbritannien ging Vetter in Subdivision 4 bereits samstagsabends an die Geräte. Der Start verlief aus rot-weiß-roter Sicht allerdings denkbar ungünstig. Am Reck musste der Vorarlberger einen Sturz hinnehmen und sich mit 11.500 Punkten begnügen. 

Früher Schock – gelungener Abschluss

Davon ließ sich Vetter aber nicht nachhaltig aus dem Konzept bringen. „Ich bin froh, dass ich den frühen Schock gut wegstecken konnte. Abgesehen von den zwei Stürzen bin ich mit meiner Leistung an den übrigen vier Geräten zufrieden“, resümierte Österreichs WM-Solist. Am Boden (12.933), Pauschenpferd (12.833) und an den Ringen (12.266) zeigte Vetter anschließend stabile Übungen. 

Seit der Europameisterschaft in Zagreb hatte der Athlet der Turnerschaft Lustenau intensiv an seinem Programm gearbeitet, an drei Geräten die Schwierigkeiten erhöht und neue Elemente eingebaut. In Rotterdam machte sich die zusätzliche Arbeit teilweise bezahlt. „Mein Auftritt an den Ringen und am Pferd Pauschenpferd stimmt mich positiv. Ich habe die Übungen erstmals wettkampfmäßig geturnt und bin froh, dass ich sie gut durchgebracht habe.“

Das zweite Missgeschick passierte am Sprung, wo ein Sturz bei der Landung wertvolle Punkte kostete (12.366). Am Barren (12.866) gelang Vetter schließlich ein versöhnlicher Abschluss auf der größten Turnbühne der Welt. „Im Vergleich zu meiner ersten WM war das auf alle Fälle eine Steigerung. Trotzdem habe ich noch sehr viel Luft nach oben, da ist noch viel Potenzial vorhanden.“

Blick auf 2027 gerichtet

Nationaltrainer Michael Fussenegger zog eine gemischte Bilanz. „Teile des Wettkampfes waren gut, andere nicht so ideal.“ Besonders ärgerlich sei der Sturz gleich zu Beginn gewesen. Positiv wertete Fussenegger, dass sich sein Schützling anschließend wieder gefangen habe. „Alles in allem war es eine solide Vorstellung“, meinte Fussenegger. „Aber es gibt noch viel Arbeit für die kommenden Wochen und Monate zu erledigen.“

Auch Turnsport-Austria-Sportdirektor Fabian Leimlehner bewertete den Auftritt Vetters differenziert: „Gino hat seine neuen Übungen gut präsentiert. Leider konnte er einige Elemente, die er eigentlich schon sicher beherrscht, nicht optimal abrufen. Er hat aber bewiesen, dass er das Zeug dazu hat. Wir wissen jetzt genau, woran wir bis zum nächsten Jahr arbeiten können und müssen.“

Für Vetter endet mit dem Saisonhöhepunkt in der niederländischen Hafenstadt eine durchaus erfolgreiche Saison. Der Vorarlberger gewann drei Staatsmeistertitel, sicherte sich bei der EM in Zagreb das Ticket für seine zweite Weltmeisterschaft und schrammte beim Weltcup in Szombathely als Reck-Vierter nur hauchdünn an seiner ersten Weltcup-Medaille vorbei.

„Es war erfolgreich, es war aufregend und es hat riesigen Spaß gemacht“, so Vetter. Das kommende Jahr, in dem es um die erstmalige Teilnahme an Olympischen Spielen geht, solle „noch erfolgreicher werden und noch mehr Spaß machen!"

Leni Bohle beweist bei der Kunstturn-WM großen Kampfgeist

Die Kunstturn-Weltmeisterschaft in Rotterdam verlief für Leni Bohle nicht ganz nach Wunsch. Die 19-jährige Vorarlberger Staatsmeisterin musste nach einem schwierigen Auftakt ihre Hoffnungen auf ein neues persönliches Mehrkampf-Highlight begraben. Mit 47,965 Punkten und Rang 76 blieb sie unter ihrem selbst gesteckten Ziel. Positiv: Die Hohenemserin bewies mentale Stärke, kämpfte sich zurück in den Wettkampf und beendete ihre dritte Weltmeisterschaft mit einem gelungenen Sprung.

Die Erwartungen waren durchaus hoch. Nach starken Leistungen im bisherigen Saisonverlauf und 49,398 Punkten bei der Europameisterschaft in Zagreb hatte sich Leni Bohle für Rotterdam ein klares Ziel gesetzt: Erstmals bei einem internationalen Großereignis die 50-Punkte-Marke im Mehrkampf übertreffen. Dafür hatte die Vorarlbergerin in den vergangenen Wochen intensiv an der Stabilität und Ausführung ihrer Übungen gearbeitet.

Doch der Auftakt in der Ahoy Arena verlief alles andere als ideal. Bereits am ersten Gerät, dem Stufenbarren, musste Bohle beim Abgang einen Sturz hinnehmen. Ein weiterer Fehler am Schwebebalken kostete zusätzliche wertvolle Punkte.

Nach schwierigem Start zurückgekämpft

Was folgte, war ein Beweis für die mentale Stärke der jungen Emserin. Anstatt sich von den anfänglichen Rückschlägen aus dem Konzept bringen zu lassen, konzentrierte sich Bohle auf die verbleibenden Geräte und fand zunehmend besser in ihren Wettkampf.

„Ich weiß, was ich am Boden und am Sprung kann. Deswegen ist es mir nach dem bescheidenen Start gut gelungen, mich wieder auf die nächsten Geräte zu konzentrieren“, erklärte die 19-Jährige nach ihrem Auftritt.

Vor allem am Sprung konnte sie zum Abschluss nochmals ihr Können unter Beweis stellen. Dennoch fiel ihre persönliche Bilanz gemischt aus: „Insgesamt war der Wettkampf okay, natürlich hätte es besser laufen können.“

Mit 47,965 Punkten belegte Bohle schließlich Rang 76 im Mehrkampf. Die angestrebte 50-Punkte-Marke blieb diesmal außer Reichweite. Dennoch nimmt die amtierende Staatsmeisterin wichtige Erfahrungen von ihrer dritten Weltmeisterschaft mit.